Jahrestagung der Fachgruppe Frauen und Informatik zum Thema "Demokratieerhaltung - digitale Gewalt als gesellschaftliche Herausforderung"
Wir laden Sie herzlich zur Jahrestagung 2026 der Fachgruppe Frauen und Informatik ein. Die Tagung findet vom 17.-19. April 2026 in München in den Räumen des IT-Referats der Stadt München am Agnes-Pockels-Bogen 33 statt.
Beschreibung
Zum Thema der Tagung:
Zu Beginn wurde das Internet als große Chance wahrgenommen. Es ermöglichte vielen Menschen weltweit, auf einfache und kostengünstige Weise Informationen zu finden, Wissen zu erwerben und an Kunst sowie Kultur teilzuhaben.
Mit der rasanten Entwicklung und enormen Verbreitung von Social Media wurde auch dies zunächst als Triumph der Meinungsfreiheit gefeiert. Jeder konnte seine Meinung frei äußern und wurde von einem breiteren Publikum gehört als je zuvor. Digitale Medien fördern Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement.Doch heute erkennen wir auch die Schattenseiten: Bestimmte Gruppierungen nutzen digitale Technologien gezielt für Desinformation und Propaganda. Autoritäre Regimes missbrauchen Plattformen für Wahlbeeinflussung und Destabilisierung.Eine Handvoll Tech-Unternehmen entscheidet, worüber und wie wir informiert werden. Algorithmen verstärken Polarisierung und schaffen Filterblasen. Geschäftsmodelle basierend auf Datensammlung und Aufmerksamkeitsökonomie verwandeln "Social Media" zu "Unsocial Media" mit direkten Auswirkungen auf demokratische Meinungsbildung. Hass, Hetze und digitale Gewalt nehmen zu, wobei besonders Frauen, Journalistinnenund Aktivistinnen betroffen sind. Permanente Überwachung und Datensammlung schaffen ein Klima sozialer Kontrolle, das freie Meinungsäußerung einschränkt.
Social Media: Fluch oder Segen für die Demokratie?
Darüber möchten wir diskutieren und Lösungen aufzeigen.
Wir laden Expertinnen und interessierte Frauen ein, um uns in Vorträgen und Diskussionen mit diesen Themen zu beschäftigen. Dazu gehören auch Fragen wie:
Stellt dies eine Bedrohung für die liberale Demokratie dar? Kann eine Demokratie mit solchen Herausforderungen umgehen? Bietet diese Situation die Gelegenheit, Grund- und Menschenrechte zu stärken? Oder benötigen wir klare Grenzen und ethische Leitlinien für digitale Technologien?
Reichen KI-Verordnungen und Digital Services Act aus, oder ist weitere Regulierung erforderlich? Wie könnten wir dies auf europäischer Ebene umsetzen? Was können wir als Informatikerinnen tun, um die Einhaltung dieser Regulierungen durchzusetzen?
Die Anmeldung zur Jahrestagung kann ab sofort über folgenden Link erfolgen:
Anmeldeschluss ist der 20. März 2026. Danach ist eine Anmeldung noch über eine Warteliste möglich.
Hotelvorschläge:
Downtown Vi Vadi Hotel, Marsstr. 6-10, oder Bayernland, Bayerstr. 77, beide 80335 München, ca. 100 Euro pro Nacht.
Ansonsten gibt es in München viele weitere Übernachtungsmöglichkeiten. Wir empfehlen frühzeitig zu buchen.
Anfahrtsbeschreibung zum Tagungsort IT-Referat München
Weitere Informationen zur Jahrestagung und zum Programm: siehe Flyer.
Achtung Anfahrt für Freitag: Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Die nächste S-Bahnstation Isartor ist leider wegen Bauarbeiten gesperrt. Es gibt mehrere Alternativen: Schon am Marienplatz oder erst am Rosenheimer Platz aus der S-Bahn aussteigen und einen kleinen Spaziergang zum Kofra machen, ca. 10-20 Min, oder ab Hauptbahnhof mit der Straßenbahn (16 oder 17, Reichenbachplatz) oder U-Bahn (U1, Fraunhoferstraße) fahren und ca. 5-10 Minuten zu Fuß gehen, oder ab Ostbahnhof mit einem Bus (62, Baaderstraße) fahren und ca. 5-10 Minuten zu Fuß gehen. Infos zu den Verbindungen, zur MVV-App und zum Ticketkauf (MVVswipe) es auf der Webseite des Münchener Verkehrs-Verbunds
Wer mit dem Auto anreist:
Parkmöglichkeiten gibt es am Samstag und Sonntag beim Tagungsort an der Straße Agnes-Pockels-Bogen.
Zudem kann man die Münchner Park-and-Ride-Möglichkeiten nutzen: https://www.parkundride.de/
Streng genommen: "Nur für Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel. Fahrkarte/Reiseunterlagen bis zum Verlassen der P+R Anlage bitte aufbewahren", aber Deutschland-Ticket gilt ja auch.
Zum Kofra am Freitag / Fraunhoferstraße ohne Umstieg
P+R Mangfallplatz - dort U1
P+R Innsbrucker Ring - dort U2
P+R Messestadt Ost - dort U2
Zum IT-Rathaus / Agnes-Pockels-Bogen
P+R Mangfallplatz - dort U1
P+R Westfriedhof / direkt unter dem U-Bahnhof - dort die paar Minuten zu Fuß
Wir freuen uns darauf, Sie bei dieser spannenden Tagung zu begrüßen, bei der wir auch das 40-jährige Bestehen der Fachgruppe Frauen und Informatik in der GI feiern.
Für das Organisations-Team
Selcan Ipek-Ugay, Gudrun Schiedermeier, Christine Hennig, Phöbe Günzler
tagung@frauen-informatik.de
Programm
Freitag, 17. April 2026
18:00 Veranstaltung zur Feier des 40-jährigen Bestehens der Fachgruppe im Kofra, Baaderstr. 30, München (nur für Frauen)
ab 20:00 Uhr gemeinsames Abendessen in einem Lokal in der Münchener Innenstadt
Samstag, 18. April 2026
Mitarbeitende der Gesellschaft für Informatik sind während der Tagung vor Ort und freuen sich auf den Austausch mit euch.
Hinweis: Auf der Veranstaltung wird ev. auch fotografiert und gefilmt. Weitere Informationen dazu vor Ort.
ab 08:15 Check-In
09:00 Begrüßung durch die Sprecherin der Fachgruppe Prof. Dr. Katharina Best
Grußwort von Dr. Laura Dornheim, Leiterin des IT-Referats der Stadt München
Grußwort des GI Vorstands, Wolfgang Glock, IT-Referat der Stadt München
Vorstellungsrunde der Teilnehmerinnen
Einführung in das Thema der Tagung durch Prof. Dr. Gudrun Schiedermeier und Christine Hennig, Fraunhofer FOKUS.
10:00 Prävention und Intervention bei digitaler Gewalt: Vortrag von Dr. Petra Wolf, digital@M, Stadt München
10:45 Pause und Festprogramm 40 Jahre Fachgruppe, Ausstellung
11:15 Respekt und Anstand statt Hass und Hetze. Wir müssen unsere Demokratie schützen - digital und echt: Vortrag von Gisela Sengl, Die Grünen
12:00 - 13:30 Mittagspause
13:30 Geschlechtsspezifische technikbasierte Digitale Gewalt: Vortrag von Anne Roth, Referentin für Digitalpolitik, Die Linke im Bundestag
14:15 Pause und Festprogramm 40 Jahre Fachgruppe
14:45 (K)Ein Raum: Cybergewalt gegen Frauen in (Ex-)Beziehungen: Vortrag von Magdalena Habringer, Hochschule Campus Wien
15:30 Pause und Festprogramm 40 Jahre Fachgruppe, Sektempfang
16:30 Podiumsdiskussion mit Mareike Lisker, Christine Hennig, Dr. Petra Wolf, Anne Roth, Gisela Sengl, Magdalena Habringer, Moderation: Prof. Dr. Selcan Ipek-Ugay, Prof. Dr. Gudrun Schiedermeier
18:00 Ende des fachlichen Teils der Tagung
19:00 Gemeinsames Abendessen mit Feier in einem Lokal in der Nähe des Tagungsortes
Sonntag 19. April 2026
Fachgruppensitzung Frauen und Informatik
Gäste sind herzlich willkommen!
9:00 - 13:00 Uhr Mitgliederversammlung
Begrüßung, Vorstellungsrunde,
Berichte aus den Gremien, zum Magazin Frauen machen Informatik und zum Preis WITA,
Planung Jahrestagung 2027,
Aktionen, weitere Vorhaben und Termine
12:00 Torte zur Feier 40 Jahre Fachgruppe
Anschließend Redaktionssitzung für das Magazin
Referent*innen
Dr. Petra Wolf
Expertin für Digitalisierung, Strategie
Frau Dr. Wolf ist Digitalisierungsberaterin bei der digital@M - einer 100% Tochter der Landeshauptstadt München. Ihre Schwerpunkte sind Strategieberatung in den Bereichen IT- und Digitalisierungsstrategie, Gendersensible Digitalisierung und Digitale Teilhabe.
In ihrem Vortrag zu "Prävention und Intervention bei digitaler Gewalt" wird sie aus einem aktuell laufenden Pilotprojekt der Stadt München berichten. Das Projekt erprobt ein Konzept zur Qualifizierung und Beratung von Anlaufstellen für Gewaltopfer, so dass sie bei der Bewältigung von digitaler Gewalt unterstützt werden.
Anne Roth
Referentin für Digitalpolitik, Die Linke im Bundestag
Anne Roth hat von 2014 - 2017 als Referentin für die Linke im Bundestag den NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages begleitet und ist seitdem mit kurzen Unterbrechungen Fachreferentin der Fraktion für den Digitalausschuss des Bundestages. Zu ihren Schwerpunktthemen gehören digitale Grundrechte, digitale Teilhabe und digitale Gewalt.
In ihrem Vortrag zum Thema "Geschlechtsspezifische technikbasierte Digitale Gewalt" gibt sie einen Überblick über die verschiedenen Formen digitaler Gewalt im sozialen Nahraum, auch als 'Häusliche Gewalt' bekannt. Sie beleuchtet, was über Ausmaß und die Betroffenengruppen bekannt ist, wie politisch mit dem Thema umgegangen wird und skizziert, was für effektive Bekämpfung und Unterstützung der Betroffenen nötig wäre.
Gisela Sengl
Landesvorsitzende BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesverband Bayern
In Ihrem Vortrag spricht Frau Sengl darüber, dass wir unsere Demokratie schützen müssen - digital und in echt.
Frauen sind deutlich häufiger Zielscheibe von Hass und Hetze - im Netz, aber auch auf der Straße. Wir erleben derzeit einen echten Backlash: Der Frauenanteil in der Politik sinkt, während rechtsextreme und rechtspopulistische Kräfte stärker werden und gezielt gegen Gleichberechtigung hetzen oder sie lächerlich machen. Deshalb müssen wir darüber sprechen - immer wieder und überall. Denn wo Frauen beleidigt, bedroht oder eingeschüchtert werden, schweigt am Ende die Hälfte der Gesellschaft. Frauenhass ist kein Randphänomen. Er ist ein Angriff auf unsere Demokratie. Dem müssen wir entgegentreten - laut, entschlossen und solidarisch.
Magdalena Habringer
Hochschule Campus Wien
Magdalena Habringer ist Sozialarbeiterin und Soziologin mit langjähriger Erfahrung im Gewaltschutz. Mehrere Jahre war sie beim Verein Wiener Frauenhäuser tätig, wo sie gewaltbetroffene Frauen beriet und begleitete. An der Hochschule Campus Wien führte sie gemeinsam mit Kolleginnen das Forschungsprojekt "(K)ein Raum. Cyber-Gewalt gegen Frauen in (Ex-)Beziehungen" (2023) durch und beschäftigt sich seither vertieft mit digitalen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Seit einigen Jahren konzipiert und leitet sie Fortbildungen für Beraterinnen im Gewaltschutzbereich zum Thema Cyber-Gewalt. Seit 2023 ist sie hauptberuflich in der Lehre am BA-Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Campus Wien tätig.
In ihrem Vortrag wird sie in einem ersten Schritt auf die Studie "(K)ein Raum" eingehen und das Phänomen der Cyber-Gewalt im Kontext von (Ex-)Beziehungen grundlegend erläutern. Aufbauend darauf widmet sie sich der sexualisierten Cyber-Gewalt, die in besonderem Maße geschlechtsspezifisch geprägt ist und für betroffene Frauen erhebliche Risiken mit sich bringt. Für ein neues Forschungsprojekt interessiert sie sich besonders für die Perspektive von Informatiker*innen: Welche technischen Schutzmöglichkeiten wären denkbar, wenn Nacktbilder oder Deepfakes veröffentlicht werden - oder deren Veröffentlichung angedroht wird? Derzeit existieren hierfür nur unzureichende technische Lösungen, weshalb ein interdisziplinärer Austausch besonders wertvoll ist.